Freelancer- und Interim-Einsätze im Einkauf – Anstellungsmodelle der Zukunft?

Anstellungsmodelle der Zukunft

In den letzten Jahren hat die Anzahl an Freischaffenden, die projektbasiert bei Unternehmen angestellt werden, zugenommen. Vor allem im IT Bereich sind sogenannte Freelancer sehr gefragt. Aber auch im Beschaffungsmanagement werden immer häufiger temporäre Mitarbeiter oder Freelancer angestellt, die projektbasiert oder als Aushilfe zur Überbrückung von Vakanzen eingesetzt werden. 

Vorteile des Freelancer-Modells

Was macht das Modell des ungebundenen Arbeitens so beliebt und interessant? Freelancer haben die Möglichkeit, sich die Arbeitszeiten flexibel einzuteilen, für mehrere Auftraggeber zu arbeiten oder nebenbei das eigene Geschäft aufzubauen. Sie sind auch nicht gebunden. Sobald ein Projekt beendet ist, können sie sich bei neuen Auftraggebern verpflichten, sich weiterbilden oder auf Reisen gehen. Auf der Seite der Arbeitgeber hat der Vorteil des Modells Freelancer ebenfalls mit Flexibilität zu tun: Sie können Freelancer im Stundensatz anstellen und flexibel einsetzen, ohne die Kopfzahl auf dem Stellenplan zu erhöhen. Ein Freelancer arbeitet selbstständig und auf eigene Rechnung. Das beschäftigende Unternehmen kann also davon ausgehen, dass sich der Freelancer selbst um die Sozialversicherungsabgaben kümmert. Damit entfallen bei ihm administrative Aufwände in diesem Bereich. 

Das Problem der Scheinselbstständigkeit

Dieser vermeintliche Vorteil kann jedoch zum Nachteil werden. Das Schweizer Arbeitsrecht kennt den Ausdruck Freelancer nicht. Das Gesetz unterscheidet bloss zwischen selbstständiger und unselbstständiger Tätigkeit. Die AHV hat verschiedene Kriterien festgelegt, um zwischen den beiden Arten zu unterscheiden. So ist bei einer selbstständigen Tätigkeit zum Beispiel massgeblich, dass für mehrere unterschiedliche Auftraggeber gearbeitet wird. Falls die AHV nach Betrachten eines konkreten Falls zum Schluss kommt, dass ein angestellter Freelancer ein Scheinselbstständiger ist, kann es für den Arbeitgeber teuer werden: Er ist dazu verpflichtet, die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge rückwirkend bis zu fünf Jahre ganz oder teilweise einzuzahlen. 

Damit ein Arbeitgeber nicht in diese Sozialversicherungsfalle tappt, können Freelancer oder Interim-Mitarbeiter durch einen Personalvermittler eingestellt werden. Der Personalvermittler übernimmt alle administrativen Aufgaben, die mit der Anstellung eines temporären Mitarbeiters anfallen, wie z.B. die gesamte Abwicklung der Sozialversicherungen. 

Herausforderungen bei einem Interim-Einsatz

Florian Stalder

Florian Stalder, Interim-Mitarbeiter bei der Procurement Partner AG

Florian Stalder ist als Interim-Mitarbeiter bei der Procurement Partner AG angestellt und zurzeit für mehrere Monate als Projekteinkäufer bei einem grossen Schweizer Industrieunternehmen im Einsatz. Bereits zuvor hatte Herr Stalder mehrere kurzzeitige temporäre Einsätze in Kleinunternehmen absolviert. 

Florian Stalder schätzt die Vorteile eines Interim-Einsatzes. Diese bieten ihm die Möglichkeit, einen Einblick in einen neuen Betrieb und unterschiedliche Branchen zu erhalten. Zudem lernt man neue Arbeitskollegen sowie externe Partner kennen und kann das eigene Netzwerk erweitern. Auch die Selbstständigkeit wird von Herrn Stalder geschätzt. Von einem Interim-Mitarbeiter wird erwartet, dass er sich rasch in neue Aufgabengebiete einarbeiten und nach kurzer Zeit aktiv einen Beitrag leisten kann. Daher ist es möglich, bereits nach kurzer Zeit sehr selbstständig an Projekten zu arbeiten. Weiter fügt Herr Stalder an, dass sich aus einem Interim-Einsatz meistens weitere Jobangebote ergeben: So wird der Einsatz entweder verlängert, eine Festanstellung wird angeboten oder durch neu geknüpfte Kontakte stehen weiter Optionen offen. Nicht zuletzt können Interim-Einsätze je nach getroffenen Arrangements auch finanziell lukrativ sein. 

Ein Interim-Einsatz bringt aber auch Herausforderungen mit sich. So hat Florian Stalder die Erfahrung gemacht, dass die Einführung ins neue Aufgabengebiet sehr kurz und knapp gehalten wird. Nur das Nötigste wird einem erklärt. Anschliessend ist man gezwungen, sich viele Informationen selbstständig zu beschaffen. Wenn die Firma gut strukturiert ist und die Teamkollegen hilfsbereit sind, fällt das Einarbeiten aber auch unter diesen Umständen leicht. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass er im Gespräch mit externen Partnern, wie z.B. Lieferanten, nicht immer ganz transparent sein kann. Er erwähnt in den Gesprächen jeweils nicht, dass er befristet angestellt ist und in ein paar Monaten die Ansprechperson bereits wieder wechseln wird. Dieses Verschweigen sorgt bei Herrn Stalder für ein etwas ungutes Gefühl. Weiter hatte sich Herr Stalder zu Beginn des Einsatzes selbst unter Druck gesetzt. Er hatte die Erwartungshaltung an sich selbst, sich möglichst schnell einzuarbeiten und die Zusammenhänge rasch zu verstehen, um anschliessend effiziente und gute Arbeit zu leisten. Beim momentanen Einsatz, den Procurement Partner vermittelt hat, wurde Herr Stalder mit offenen Armen empfangen. Er fühlt sich integriert und wohl im Team und wird von diesem wie auch von seinem Vorgesetzten unterstützt. 

Nicht jeder Personentyp ist für einen Interim-Einsatz geeignet

Gemäss Florian Stalder ist ein Interim-Einsatz nicht für jede Person gleichermassen geeignet: «Meiner Meinung nach sollte ein Interim-Mitarbeitender eine offene, flexible und selbstständige Person sein. Bei einem Interim-Einsatz muss auf jeden Fall der Wille da sein, ohne Berührungsängste auf Personen zuzugehen und sich rasch in ein neues Umfeld zu integrieren. Eine schnelle Auffassungsgabe ist ein Muss, damit man selbst bereits nach kurzer Zeit eine Unterstützung für den Betrieb ist. Mir haben zudem meine früheren Berufserfahrungen geholfen, mich rasch in die neue Branche und das neue Aufgabengebiet einzuarbeiten.» 

Wenn sowohl für Arbeitgeber wie auch für Arbeitnehmer Flexibilität bei einem Arbeitseinsatz wichtig ist, kann auch im Einkauf ein Freelancer- oder Interim-Einsatz empfehlenswert sein. Wir leben heute in einer schnelllebigen Gesellschaft, in der Individualität und Flexibilität grossgeschrieben wird. Daher entsprechen solche flexiblen Arbeitsmodelle gleichermassen den Bedürfnissen von Unternehmen und Arbeitenden. Wenn zudem den rechtlichen Erfordernissen die notwendige Beachtung geschenkt wird, kann das Anstellungsmodell Interim-Einsatz durchaus zum Erfolgsmodell der Zukunft werden.

  • Procurement Partner

29.11.2017