Kompetenzentwicklung im Einkauf

Kompetenzentwicklung im Einkauf

In Zukunft werden sich die Anforderungen an den Einkauf als Abteilung wie auch an den Einkäufer selbst stark verändern. Der Einkäufer wird mehr und mehr als Vermittler zwischen externen und internen Partnern auftreten und mehr Zeit damit verbringen, enge Partnerschaften mit Lieferanten aufzubauen.

Diese neue Rolle verlangt nach erweiterten Kompetenzen gegenüber den bisherigen. Ein Gespür für Innovationen und Trends, zielgerichtetes Networking und interdisziplinäre Zusammenarbeit werden vermehrt gefordert sein. Aber auch die verlangten Fachkompetenzen werden sich verändern: Einkaufsfachpersonen werden zwar auch in Zukunft über umfassende Kenntnisse in den verschiedenen Gebieten des Beschaffungsmanagements und der Beschaffungsmärkte verfügen müssen. Darüber hinaus werden aber vertiefte Kenntnisse der spezifischen Kernkompetenzen und Prozesse im Unternehmen wichtiger werden. Auf diesem Verständnis basiert die oben erwähnte, erweiterte Rolle wesentlich. Ergänzend wird auch der Dienstleistungsgedanke bei Einkaufsspezialisten wichtiger. Es wird nicht mehr primär darum gehen, auf Biegen und Brechen Rabatte rauszuschlagen. Vielmehr geht es um den Aufbau von partnerschaftlichen Beziehungen mit den Lieferanten. Der Fokus liegt dabei auf der optimierten Strukturierung der Wertschöpfungskette. Daraus können Verantwortlichkeiten interner und externer Leistungsträger abgeleitet werden. Dies unter Berücksichtigung finanzieller, risikobezogener, rechtlicher und weiterer Aspekte. Diese neue Aufgabenstellung im Einkauf wird nicht zuletzt Kommunikations- und Moderationskompetenzen in den Vordergrund rücken lassen.

Solche Überlegungen haben dazu geführt, das Thema «Kompetenzentwicklung im Einkauf» im Juni-Anlass der «Procurement Experts» aufzugreifen. Mit namhaften Einkaufsfachleuten wurde die Thematik diskutiert, wurden Ansichten ausgetauscht und Entwicklungstrends eingeschätzt. Die Veranstaltungsreihe «Procurement Experts» wird gemeinsam von procure.ch und Procurement Partner organisiert. 

Unter anderem haben die Teilnehmenden gemeinsam künftige Soll-Kompetenzen von Mitarbeitenden im Einkauf zusammengetragen. Dabei waren sie sich einig, dass sich die Anforderungen an die Einkäufer grundlegend ändern werden. Zum einen wird Generalisten-Wissen im Beschaffungsmanagement, zum anderen auch Spezialisten-Wissen in den entsprechenden Warengruppen gefragt sein. Dazu kommen die bereits oben erwähnten Kommunikations- und Sozialkompetenzen, um erfolgreich Partnerschaften intern und extern aufzubauen. Den Anwesenden war bewusst, dass mit diesen verschiedenen Anforderungen die bekannte «eierlegende Wollmilchsau» gesucht wird. Einkaufspezialisten mit diesen Qualifikationen werden schwierig zu finden sein. Die Diskussionsteilnehmer stimmten überein, dass Weiterbildung von bestehenden Mitarbeitenden ein zunehmend wichtiger Bestandteil sein wird, um für die Zukunft gerüstet zu sein. 

Doch welches Vorgehen bewährt sich in der Praxis, um die Mitarbeitenden optimal bei der Weiterentwicklung zu unterstützen? Erfolgversprechend ist zunächst einmal eine systematische Herangehensweise. Diese zeichnet sich durch eine methodisch fundierte Bestimmung der Soll-Anforderungen aus. Diesen gegenüber gestellt werden die aktuellen, in der unternehmensspezifisch gegebenen Ist-Situation beobachtbaren Kompetenzen. Daraus lassen sich die themenbezogenen Kompetenzlücken und deren Ausmass ableiten. Schulungskonzepten liegt üblicherweise dieser Art von Analysen zu Grunde. Im umsetzungsorientierten, zweiten Teil solcher Konzepte, geht es um die Schliessung der erkannten Lücken mit geeigneten Schulungsmassnahmen. Hier zeigen sich personen- oder funktionsbezogene Entwicklungspläne als geeignete Ansätze. Die Herausforderung besteht darin, passende Instrumente zur Weiterentwicklung der eigenen Mitarbeitenden zu finden, die zur Unternehmenskultur passen und den Reifegrad des Beschaffungswesens berücksichtigen. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit auf Standardangebote oder aber auf massgeschneiderte Individualmassnahmen abgestellt werden soll. Das Eine schliesst das Andere nicht aus und lässt sich in der Regel gut kombinieren.

  • Procurement Partner

05.09.2017