Rekrutierung und Flexibilisierung im Einkauf: Wie werden in Zukunft die passenden Einkaufsmitarbeitenden gefunden?

Rekrutierung der Zukunft im Einkauf

Die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer wie auch Arbeitgeber haben sich in den letzten Jahren stark verändert und werden sich auch in Zukunft weiter an die heutige schnelllebige Gesellschaft anpassen. Um zu verstehen, mit welchen Herausforderungen eine Einkaufsabteilung bei der Personalrekrutierung in Zukunft konfrontiert wird, muss zuerst verstanden werden, wie sich die Arbeitswelt in Zukunft präsentiert.

Wandel in der Arbeitswelt

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Geschäftsmodelle ganzer Branchen. Ebenfalls verändert sich durch neue Technologien die Art und Weise, wie gearbeitet wird. Vieles wird schnelllebiger und flexiblere Anstellungsformen sind gefragt. Erwerbstätige werden vermehrt zu selbstständigen Unternehmern, die bei Bedarf befristet, projekt- oder themenbasiert in Firmen mitarbeiten. Sie sind es gewohnt, selbstständig zu arbeiten, sich selbst zu organisieren und haben oftmals kein Interesse an einer Festanstellung. Gemäss Deloitte waren im Jahr 2016 rund 25% der Schweizer Erwerbsfähigen als sogenannte Freelancer tätig. Aber auch Unternehmen schätzen es, unter anderem zur Flexibilisierung ihrer Kosten, Mitarbeitende bei Bedarf situativ hinzu zu ziehen und die zusätzlichen Arbeitskräfte nicht mehr in einer Festanstellung zu beschäftigen. Weiter ermöglicht Cloudworking, dass Menschen dank dem Internet ortsunabhängig zusammenarbeiten können. Berufstätige arbeiten nicht mehr zwingend im Büro, sondern können direkt von Zuhause aus oder unterwegs ihrer Arbeit nachgehen. 

Dr. Marcel Oertig, Partner bei der Avenir Consulting AG, sieht die zukünftige Entwicklung in der Arbeitswelt wie folgt:

  • Die Zahl der traditionell beschäftigen Arbeitnehmer in einer Festanstellung wird stark abnehmen.
  • Dafür wird die Anzahl an externen Arbeitskräften, die projektbezogen auf Stundenbasis beigezogen werden, ansteigen.
  • Damit der flexible Einsatz von Personal erfolgreich sein kann, müssen die Führungskräfte umdenken und fit für die Führung einer «flexiblen Workforce» gemacht werden.
  • Zudem müssen die Grundlangen dafür geschaffen werden, dass in der strategischen Personalplanung eines Unternehmens sowohl interne als auch externe Beschäftigte berücksichtigt werden.

Herausforderungen für die Rekrutierung passender Einkaufsmitarbeitenden

Ebenfalls hat sich der Recruiting-Prozess im Vergleich zu früher wesentlich verändert. In der heutigen Zeit reicht es nicht mehr, ein Stelleninserat aufzuschalten und auf passende Kandidaten zu warten. Auch bei der Mitarbeiterrekrutierung hält die Digitalisierung Einzug. Heute läuft die Kandidatensuche vermehrt über digitale Plattformen wie LinkedIn und XING. Um die richtigen Talente zu finden, muss ein Unternehmen selbst aktiv werden und den Dialog mit zukünftigen Mitarbeitenden suchen. Dies gilt natürlich auch für die Suche von Einkaufsspezialisten. 

Am ersten Procurement Experts Anlass dieses Jahres diskutierten die Teilnehmenden die heutigen Herausforderungen bei der Rekrutierung von Einkaufsmitarbeitenden. Viele sehen eine Herausforderung darin, dass sich die Anforderungen an Einkaufsmitarbeitende verändert haben und weiter verändern werden. So werden neben den Fachkenntnissen auch soziale Kompetenzen, z.B. in der Verhandlungsführung oder der Kommunikation, zunehmend wichtiger. Der Einkauf muss sich vom Gedanken lösen, dass alle zukünftigen Einkaufsmitarbeitenden eine Weiterbildung im Beschaffungswesen mitbringen. Denn Fachkompetenzen kann man sich in der Regel einfacher und schneller aneignen, als an den eigenen Sozialkompetenzen zu arbeiten. Aufgrund der zunehmenden Komplexität, zum Beispiel im Bereich IT, ist es für einen Einkäufer beinahe unmöglich, alle spezifischen Fachkenntnisse bereits mitzubringen oder sich diese anzueignen. Deshalb werden in Zukunft vermehrt Fachspezialisten auch in der Einkaufsabteilung gefragt sein. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Einkäufern und Fachspezialisten ist unumgänglich. Zudem werden Einkaufsprofis zunehmend zu internen Dienstleistern, die in regelmässigem Kontakt zu internen Stakeholdern stehen. Heute gibt es noch viele Einkäufer, die sich abwartend verhalten und sich den aktiven Dialog mit internen Kunden nicht zutrauen. 

Ist-Zustand in Schweizer Unternehmen bei der Flexibilisierung von Arbeitskräften

Gemeinsam mit den Teilnehmenden des Procurement Experts Anlasses wurde diskutiert, inwiefern das Thema «Flexibilisierung von Arbeitskräften» in den eigenen Unternehmen thematisiert und umgesetzt wird. Bei der Hälfte der 20 Teilnehmenden ist die Flexibilisierung in ihrem Unternehmen durchaus ein Thema und entsprechende Massnahmen sind bereits in der Umsetzung. Bei der anderen Hälfte wurde das Thema noch nicht angesprochen. Ob eine Flexibilisierung bei den Arbeitskräften bereits gelebt wird, hängt stark von der unternehmensspezifischen Situation, beispielsweise vom Reifegrad der Beschaffung oder dem Stand der Digitalisierung der Beschaffungsprozesse, ab. Den überwiegenden Treiber für die Flexibilisierung sehen die Teilnehmenden in fehlendem internem Know-how oder auch im Umgehen von fixen Head Count Vorgaben. 

Fazit

Die Sozialkompetenzen von Einkaufsmitarbeitenden werden in Zukunft vermehrt im Mittelpunkt stehen, wobei die Fachkompetenzen jedoch weiterhin einen wichtigen Faktor darstellen. Dieses Fachwissen wird aufgrund der Komplexität in gewissen Bereichen jedoch eher durch Fachspezialisten und weniger durch Einkaufsspezialisten abgedeckt werden müssen. In Zukunft werden sich aber nicht nur die Anforderungen an Einkaufspezialisten verändern. Auch die Art und Weise, wie eine Arbeitskraft in der Einkaufsorganisation angestellt und integriert wird, wird sich anders präsentieren. So zeichnet sich einen Trend ab, vermehrt sogenannte Freelancer temporär und projektbezogen zu beschäftigen.

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  • Procurement Partner

15.08.2018